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| TangoMovido e.V. Gießen | ||
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Lollar (mbo). Er gilt als Meisterkomponist und Schöpfer des Tango Nuevo - der Argentinier Astor Piazzolla. Aufgewachsen im New York der 20er Jahre, interessierte er sich zunächst für Jazz, obwohl sein Vater ihn unentwegt zu den "Milongas", den Tango-Tanzveranstaltungen, schleppte. Nur dem Vater zuliebe lernte Piazzolla neben dem Klavierunterricht auch Bandoneonspielen. Erst als die Familie 1936 nach Argentinien zurückkehrte, kam es zu einem Schlüsselerlebnis für den damals 16-Jährigen. Bei einer Aufführung des Ensembles von Elvino Vardaro hörte er eine neuartige Tango-Interpretation, die ihn so sehr begeisterte, dass er das Bandoneonspiel intensivierte und Kompositionsunterricht nahm. In den kommenden Jahren entwickelte Piazzolla den Tango weiter und assimilierte für diesen Zweck höchst unterschiedliche Einflüsse. Dadurch machte er sich bei den traditionellen Tango-Musikern so unbeliebt, dass er sogar tätliche Angriffe fürchten musste. Doch die Zahl seiner Anhänger wurde immer größer, so dass Piazzolla gegen Ende seines Lebens gar den Status eines Nationalhelden hatte. Seine Musik lebt bis heute und hat ihre Fans auch in Lollar, wo der Gießener Tangoverein "Tango Movido" am Samstag zu einem Konzert im Bürgerhaus mit dem Quinteto "Las Sombras" eingeladen hatte. Die Freiburger Gruppe um die viel prämierte Flötistin Simone Graf schuf unter dem Motto "Tangogeschichten" eine musikalisch phantasievolle und wunderbar unterhaltende Mischung aus Stücken verschiedener Tangomusiker und kleinen Anekdoten aus der Feder Piazzollas. Dabei schlüpfte Saxophonist Florian Gutmann zwischen den Liedern in die Rolle des 1992 verstorbenen Komponisten und lud die Zuhörer ein auf eine Reise durch die die Straßen und Höfe von Buenos Aires, hinein in die Cafés, wo der Tango von den Sehnsüchten, Eroberungen und Niederlagen des Alltags erzählt. Auf diese Weise wurde jedes der oft melancholischen Stücke auf eine besondere Weise mit Leben gefüllt. Wenn man den Tönen und Worten lauscht, sieht man die Protagonisten der Geschichten beinahe vor sich - die schweigsame und elegante Tänzerin, die ihre Tanzpartner durch einen langen Blick in die Augen in ihren Bann zieht oder den alten Mann, in dessen Armen die Frauen die Augen schließen und der offenbar das Geheimnis des Tangos kennt. Auch Piazzollas Tante Rosalie, die in ihrem schönsten Kleid zu einer Milonga geht und "drei Stunden vergeblich darauf wartete, dass sie einer der Herren zum Tanz auffordert". Und nicht zuletzt Piazzolla selbst, der sich fragt, "Was ist aus jenem Engel geworden, den ich einst liebte?" Die Musik des Argentiniers ist vor allem zum Zuhören gedacht. Seine Tangokompositionen sind im herkömmlichen Sinne nicht tanzbar, denn der Rhythmus wechselt immer wieder abrupt die Geschwindigkeit. Piazzolla sagte dazu: "Der Tango ist wie der Puls im Körper - nie nur schnell, nie nur langsam!" Die Mitglieder von "Las Sombras" - zu deutsch "Die Schatten" - haben sich rhythmisch perfekt aufeinander eingestimmt. Neben Simone Graf und Florian Gutmann zählt das Quinteto Christian Kempa (Piano), Florian Schmid (Gitarre) und Markus Lechner (Kontrabass). An diesem Abend wurde das Ensemble außerdem von Überraschungsgastspieler Burkhard Dersch am Akkordeon unterstützt. Im Anschluss an das Konzert, das die Besucher mit lang anhaltendem Applaus bedachten, fand eine Milonga mit DJ Gino aus Frankfurt statt, bei der sich Tanzwillige Wange an Wange dem Rhythmus des Tango hingeben konnten. |